Schlosstheater

Transkript Interviewausschnitt: Yilmaz Kaba

!Bearbeitetes O-Ton Transkript!

Das Theaterstück, was zuletzt hier durchgeführt wurde, „Die Stadt der weißen Musiker“, was ja auch doppelsprachig, also zweisprachig durchgeführt worden ist, einmal auf Deutsch und auf Kurdisch. Ich selber habe da mitgewirkt, also nicht auf der Bühne, sondern im Hintergrund und für mich war das etwas ganz Besonderes.

Es wurden viele Themen angesprochen, über das Theaterstück, vor allem über die Realitäten aus der Region wo unsere Eltern herkommen, wo heute noch der Krieg, wo die Vernichtung, wo der Völkermord allgegenwärtig ist. Auf der einen Seite der politische Aspekt war schon mal sehr, sehr interessant, aber vor allem auch so der philosophische Aspekt, wie man umgeht mit Gerechtigkeit. Was bedeutet Gerechtigkeit? So gewisse Themen aus dem Roman von Bachtyar Ali, die da halt auf die Bühne gebracht wurden und in Zukunft, was ich auch schon erwähnt habe, in Zukunft solche weiteren Stücke, solche weiteren Theaterstücke, solche Zusammenarbeit, solche Projekte sind auf jeden Fall unterstützenswert. Deswegen wäre das richtig gut, wenn man da auch in Zukunft weiterhin zusammenarbeiten würde und auch weiterhin solche Stücke in mehreren Sprachen für die Menschen aus und um Celle herum, also sprich, in Stadt Celle und auch im Landkreis, auch für außerhalb natürlich, solche Stücke zur Verfügung stellt. Damit sie sich das anschauen und immer wieder die Möglichkeit der Bühne zu nutzen, um halt gewisse Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Die ezidische Gesellschaft aber auch die kurdische Gesellschaft, das ist jetzt keine Ausrede, aber das ist vielleicht auch mit einer der Gründe, dass sie sich da nicht angesprochen gefühlt haben, es war wieder eine Zeit von vielen Angriffen, viele wichtige Persönlichkeiten wurden wieder ermordet. Das Erdbeben spielt auch eine Rolle. Also all diese Themen, die Menschen sind einfach voll von dem Thema Krieg. Und ich habe mir das Stück angeschaut. Es ist schon ein echt hartes Stück, sozusagen. Es ist nicht ein einfaches Stück. Diejenigen, sage ich mal, die mit sowas sehr viel zu kämpfen haben, also im Nachhinein, denen hätte ich das nicht empfohlen. Aber ich bin mir sicher, dass auch eine Menge Menschen, die einfach nicht mehr können, weil sie einfach zu viel mit Krieg, zu viel mit Völkermord, mit Auseinandersetzungen und all diesen Thematiken, dass die einfach sich sozusagen davon distanzieren. Nicht weil es das Schlosstheater ist, nicht weil es der Andreas Döring ist oder nicht, weil es das ezidische Kulturzentrum ist, sondern einfach die Tatsache, das inhaltliche Thema Krieg, Auseinandersetzung, Verfolgung. Die Menschen, ich glaube, die möchten auch irgendwann mal zur Ruhe kommen.

Bearbeitungshinweis: In Fällen, in denen im mündlichen Interview das generische Maskulinum verwendet wurde, haben wir uns entschieden, in der bearbeiteten Textversion die Schreibweise mit einem Unterstrich zu verwenden. Dies soll verdeutlichen, dass Menschen aller Geschlechter gemeint sind.