Schlosstheater

Transkript Interviewausschnitt: Hatti Kizilyel

!Bearbeitetes O-Ton Transkript!

Es gibt so eine Zeit in der man -wahrscheinlich so als Jugendlicher- steht man da nicht so drauf. Vielleicht man muss mit der Klasse mal hin. Und dann gibt es so „Räuber Hotzenplotz“. Also es ist jetzt nicht so, dass man sich dafür begeistert, dann gibt es halt andere Dinge, die im Kopf umkreisen, als Jugendlicher, die man als Priorität sieht. Dann kommt ganz, ganz viel Arbeit, dann muss man das machen und dieses und jenes und irgendwann fängt man an, dass man wieder mal irgendwann ein Stück sieht.

Ich habe „Die Stadt der weißen Musiker“ gesehen, fand das Stück sehr schön. Was heißt schön? Ich meine, ihr wisst was ich meine. Es war auch tief- traurig, aber es hat ja halt auch die Möglichkeit gegeben, diesen Denkprozess anzuregen. Also schauspielerische Glanzleistung, wirklich Glanzleistung. Bei dem Stück ging es ja auch darum Bewältigung, um Trauma und um Schuld und Sühne und um das Thema Rache. Wie gehst du selbst mit Rache um. Würdest du jemanden, der dir das angetan hat, das mit gleichem Maße vergelten und wie würdest du es machen? Und das hat auch ganz viele Leute, die im Zuschauerraum waren, so ein bisschen bewegt nach dem Stück, dass man sich darüber ausgetauscht hat und das waren schon Meinungen, also wirklich sehr interessant. Und ich finde Theater kann sich alles erlauben. Theater kann tiefgründig sein, Theater kann wehtun, Theater kann aber immer noch sagen, es ist nur Theater. Aber es bringt dich immer zum Nachdenken. Also ich finde gerade diese künstlerischen Sachen, werden oft auch unterschätzt. Ja gut, Celle ist halt auch eine Theaterstadt, weil wir da extrem viel machen auch. Wir haben ein sehr, sehr gutes Ensemble. Auch die letzten waren immer sehr gut und die Stadt und der Landkreis. Ich glaube, die wissen schon, warum man auch Geld investiert in diese Einrichtungen. Weil der Bildungsauftrag einfach extrem wichtig ist und das ist zwangsläufig so. Es ist schön, dass es irgendwann mittlerweile auch beginnt, dass kurdische Regisseure und auch Autoren auf dem Markt sind und auch dazu beitragen, dass man einfach mehr erfährt über die Menschen. Und aber es ist ganz normal, es ist der Kreislauf, dass man irgendwann sagt, das hätte es schon viel früher geben müssen, aber ich hätte einfach nur gedacht, dass vielleicht viel mehr Menschen aus der kurdischen Community sich dafür mehr begeistern können. Vielleicht war es auch die falsche Vernetzung von Seiten der kurdischen Community jetzt. Aber es ist nicht schlimm, weil es war wie so ein Pilotprojekt. Nicht immer muss alles gewinnbringend sein, aber es muss erst einmal angestoßen werden und natürlich hätte ich mich gefreut, wenn jedes Mal ausverkauft wäre und wir die nächsten zehn Jahre das gleiche Stück gesehen hätten, aber es ist trotzdem schön. Es ist gut.

Bearbeitungshinweis: In Fällen, in denen im mündlichen Interview das generische Maskulinum verwendet wurde, haben wir uns entschieden, in der bearbeiteten Textversion die Schreibweise mit einem Unterstrich zu verwenden. Dies soll verdeutlichen, dass Menschen aller Geschlechter gemeint sind.